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Insekten
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05.09.2014

Die Köcherfliege - ein kleiner Architekt

Ihre Larven spinnen aus allen möglichen Materialien, die die Natur bietet, schützende Röhren, in denen sie ihre Entwicklung zum fertigen Insekt vollziehen. Diese Röhren sehen aus wie kleine Kunstwerke, die aus Schneckenschalen, Sandkörnern und Rindenstückchen bestehen. Die Larven haben eine besondere Art der Herstellung dieser Köcher entwickelt. Wie die Larve der Köcherfliege ihre schützenden Köcher herstellt, erfahren Sie unter anderem hier.

Die Köcherfliege (lat.: Limnephilus flavicornis), die zur Ordnung der Trichoptera zählt, gehört zu der größten Insektenordnung, die hauptsächlich aquatisch, also im Wasser, lebt. Innerhalb der Insekten gehört sie der Überordnung der Neuflügler (lat.: Neoptera) an.

Die Köcherfliege ist insbesondere in den Monaten Mai bis Oktober auffindbar, hier vor allem an stehenden sowie langsam fließenden Gewässern und an kleinen Teichen und Tümpeln [1].

Der Körper der Köcherfliege hat eine Länge von 10 bis 14 mm. Die Flügel haben eine Spannweite, die 26 bis sogar 37 mm erreichen kann.
Sie hat eine charakteristische gelbbraune Färbung am gesamten Körper, der Thorax ist auf der Oberseite schwärzlich gefärbt.

Die Vorderflügel weisen einen graubraunen Farbton mit dunklen Flecken auf. Die Hinterflügel sind etwas breiter als die Vorderflügel und an ihrem Ende schräg abgestuzt. Die Fühler der Köcherfliege haben die gleiche Länge wie der gesamte Körper [1].

Da sie nachtaktiv sind, kommen die Köcherfliegen in der Abenddämmerung aus ihrem Versteck hervor, welches meist aus Gebüschen besteht, die sich in unmittelbarer Gewässernähe befinden [2]. Durch ihre Nachtaktivität stehen sie sehr häufig auf dem Speiseplan von Fledermäusen.

Interessant zu wissen ist, dass die Köcherfliege keinerlei feste Nahrung zu sich nimmt, sondern sich ausschließlich von Flüssigkeiten ernährt. Das hat dazu geführt, dass die Mundwerkzeuge stark zurückgebildet sind.

Nachdem das Köcherfliegen-Weibchen einen Geschlechtspartner gefunden und die Begattung stattgefunden hat, legt das Weibchen ihre befruchteten, gelbgrünen Eier in gallertartigen Klumpen auf Pflanzen, die in direkter Ufernähe wachsen, ab.
Nachdem die Larve aus dem Ei geschlüpft ist, lässt sie sich von der Pflanze ins Wasser fallen. Dort findet ihr gesamter Entwicklungszyklus statt.
Die Köcherfliegenlarve besitzt an ihrem Kopf Spinndrüsen. Aus diesen wird ein Sekret, die Spinnseide, abgesondert. Mit der Spinnseide verwebt die Larve unter anderem Holzteilchen und Wasserlinsen zu einem länglichen Köcher, in dem sie ihren Hinterleib verbirgt [1]. Daher rührt auch der Name "Köcherfliege". Mit dem Köcher bewegen sich die Larven am Gewässergrund voran. Bei drohender Gefahr verschließen die Larven die Röhre mit ihrem Kopf, sodass sie geschützt sind vor Fressfeinden [2].

In ihrem gesamten Entwicklungszyklus häutet sich die Köcherfliegenlarve fünfmal. Vor der Verpuppung befestigt die Larve den Köcher mit Hilfe der Spinnseide an Wasserpflanzen. Kurz vor dem Schlüpfen verlässt die Puppe den schützenden Köcher und kriecht an der Pflanze entlang aus dem Wasser heraus. Ist sie auf dem Trockenen angelangt, häutet sich die Puppe sich zur fertigen Köcherfliege und die Entwicklung ist abgeschlossen[1].

Fliegengitter vom Insektenschutzprofi


[1] Bellmann Heiko, Der neue Kosmos Insektenführer, Franckh-

     Kosmos-Verlags-GmbH & Co. KG, 2009

[2] Rietschel Siegfried, Insekten, BLV Verlagsgesellschaft, 2002