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29.07.2014

Der Holzbock - Ein Stich mit Folgen

Wie ein kleiner Jäger lauert sie in der schönen Jahreszeit auf Gräsern, Sträuchern und an Waldesrändern. Nähert sich das Objekt der Begierde, lässt sie sich meist unbemerkt auf ihr ahnungsloses Opfer fallen, um sich dann festzusaugen und so ihr Überleben zu sichern.

Vollgesogenes Weibchen des Holzbocks (Ixodes ricinus)

Die den Menschen am häufigsten befallende Zecke trägt den Namen "Holzbock" (lat.: Ixodes ricinus). Der Holzbock gehört zur Familie der Schildzecken (lat.: Ixodidae), welche die am weitesten verbreitete Zeckenfamilie innerhalb Europas darstellt. Mit ihren vier Beinpaaren und der Gliederung des Körpers in zwei Segmente gehört sie der Klasse der Spinnentiere (Arachnida) an.

In Deutschland kann der Holzbock von Frühjahr bis in den Herbst auftreten, wo er vor allem auf hohen Gräsern, Sträuchern und im Unterholz zu finden ist. Nach einem regnerischen Sommertag kommt der Holzbock am liebsten aus seinem Versteck hervor [1].

Innerhalb der Familie der Schildzecken liegt Geschlechtsdimorphismus vor, d.h. die weiblichen Holzböcke sind größer als die männlichen. Erstaunlich bei dem Holzbock ist die Größe der ungesogenen und der gesogenen Tiere. Ohne einverleibtes Blut ist der Holzbock nur knapp 4 mm groß, im vollgesogenen Zustand können die Weibchen sogar eine Größe von bis zu 11 mm erreichen, wodurch sie kaum mehr zu übersehen sind.

Sie haben eine grau-rotbraune Färbung und ein stark sklerotisiertes Rückenschild [2]. Die Holzböcke gehören zu den wenigen Zeckenarten, deren Kieferklauen, die sogenannten Cheliceren, lang genug sind, um die Haut des Wirtes zu durchstoßen [3].

Das Hallersche Organ sitzt auf den Vorderbeinen und hat die Funktion eines Chemorezeptors: Das Organ ist in der Lage, chemische Verbindungen wie z.B. Ammoniak oder Milchsäure wahrzunehmen. Dadurch ermöglicht es der Zecke, den Wirt zu registrieren und sich auf ihm niederzulassen.

Nach einem  Stich des Holzbocks kann es zu Hautirritationen und zu einem sehr starken Juckreiz kommen. Um das Jucken zu lindern, kann man Blätter des Spitzwegerichs nehmen und sie auf der Einstichstelle zerreiben. Durch die in der Pflanze enthaltenen ätherischen Öle wird das Jucken gemindert. Ebenso kann man eine halbierte Zwiebel auf die Stelle legen.

Bildet sich ein roter kreisförmiger Ring um die Stelle, sollte man einen Arzt aufsuchen. Möglicherweise hatte die Zecke dann infektiöse Erreger in sich. Gegen die Frühsommermeningo-Encephalitis, kurz FSME, gibt es eine Impfung. In Gebieten mit einer hohen Zeckenrate sollte man diese Impfung auf alle Fälle in Anspruch nehmen. Sie ist sogar noch bis zu vier Tage nach einem Stich möglich [1]. Gegen die Borreliose, die durch Borrelien auf den Menschen übertragen wird, gibt es keine Impfung. Hier ist Vorsicht die beste Methode, um einem Stich und damit einer möglichen Infektion zu entgehen.

Ist man Hundehalter, sollte man seinem vierbeinigen Freund besonders in der Hauptzeit der Zecken ein Ungezieferhalsband umlegen. Hat sich eine Zecke angesogen, umwickelt man sie am besten mit einem mit Alkohol getränkten Wattebausch. Durch den Alkohol lockert die Zecke ihr hakenbesetztes Mundwerkzeug, wodurch sie mit einer Pinzette durch leichtes Ziehen entfernt werden kann [1].

 

[1] Mehlhorn Birgit und Heinz; Zecken, Milben, Fliegen, Schaben...Schach dem
      Ungeziefer, Springer Verlag, 1990

[2] Schaefer Matthias; Brohmer - Fauna von Deutschland, Quelle & Meyer
      Verlag, 2010

[3] Wehner Rüdiger, Gehring Walter; Zoologie, Thieme Verlag, 2007


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